Drumlands und die Pozilei...



Ein kleiner Aufreger der letzten Zeit veranlasst mich, diesen Artikel zu schreiben. Es gibt tatsächlich Dinge, die kein Mensch für möglich hält, bis man sie selbst erlebt hat...

Es begab sich nämlich, das Jens B. aus E. und Philipp M. aus W. im Kollektiv auch als Drumlands bekannt, sich eines schönen Nachmittages, so gegen 18 Uhr, nach einer kleinen Produktionssession an einem dörflichen Bahnhof, genauer gesagt in Denzlingen einfanden, und dies nur zu dem Zwecke um den Zug zu erwarten, mit dem Jens B. die Heimreise nach E. antreten wollte.
Für alle die sich seltener in winzigen Studios herumtreiben um wenig massenkompatible Technomusik zu produzieren sei erwähnt, das man an solchen Orten nur äußerst selten schönen Frauen begegnet, und auch, das die Gefahr, seinem Arbeitgeber über den Weg zu laufen minimal ist. Somit erklährt sich das einigermaßen nachlässige Outfit der beiden, die mit Baseballcap, Joggingjacke und Eimerjeans nicht gerade so aussahen, als ob sie auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch als Banker währen.

Wir standen also am Bahnsteig, ganz normal, neben noch circa zehn weiteren Personen und warteten, ohne uns sonst irgendwie auffällig zu benehmen, darauf, das in etwa fünf Minuten der Zug fahrplangemäß eintreffen würde.
Währenddessen schlich sich ein Polizeiwagen, mit zwei Beamten in Lauerstellung an dem kleinen Menschengrüppchen vorbei. Aus irgendeinem Grund wurde im Inneren dieses Wagens dann die Entscheidung gefällt anzuhalten und auszusteigen.
Die beiden Beamten, ein älterer mit Glatze und ein jüngerer dunkler Typ kamen schnurstracks auf uns zu. Ein freundliches „Personalkontrolle, würden Sie sich bitte ausweisen !!!“ kam von dem Älteren, in dessen Stimmlage jedoch eher so etwas wie „Haben wir euch erwischt, Bürschchen!“ lag.
Als unbescholtener, braver Staatsbürger zeigt man natürlich mit einem dicken Fragezeichen auf der Stirn die Ausweise und überlegt sich leicht nervös, ob man blöderweise das gleiche Bärtchen wie der Verflossene der Tochter des Beamten trägt.
Offensichtlich wehte der Wind diesmal aus einer anderen Richtung. Denn nach der "Personalkontrolle" durfte Jens erstmal seine Zigarrettenpackung zur Überprüfung abgeben. Ganz der Kenner warf der glatzköpfige Beamte einen einäugigen Blick in die Schachtel, stocherte dann ein wenig mit dem Zeigefinger darin herum um anschließend seine Nase tief hinein zu stecken und einen augedehnten Riecher zu nehmen. Frustration auf der ganzen Linie, kein Geruch nach frischen Drogen... das müssen Profis sein, die verstecken ihr Weed richtig.
Also durften zuerst Jens und dann ich unsere Taschen auf die Fensterbank des Bahnhofgebäudes entleeren, wobei ich zunächst noch einigermaßen Glück hatte, da ich das „Subjekt“ des Jüngeren war, der wenigstens das wahrte, was man unspezifisch als Höflichkeit bezeichnet. Das schien dem Älteren allerdings nicht zu passen oder er wertete es zumindest als „mangelnde Gründlichkeit“, denn er „übernahm den Fall“ sobald er Jens komplett durchsucht hatte, wobei ihm ein dickes SCSI-Kabel aus dessen Rucksack als besonders verdächtig aufgefallen war: „Wofür braucht man das?“.
Schlussendlich fanden die Beamten bei uns eine spektakuläre Packung Koffeintabletten (originalverpackt), die zur genaueren Untersuchung beschlagnahmt wurde, was uns jedoch keine Entschuldigung für die „Entgleisungen“ des Älteren einbrachte.
Unter anderem durfte sich Jens den Satz: „Sie kiffen doch, sagen Sie es lieber gleich. Wir finden das. Wir können Sie auch mit aufs Revier nehmen, da können Sie sich dann ganz ausziehen!“ gefallen lassen.
Ähnliches bekam auch ich zu hören. Und ich frage mich ernsthaft, ob eine solche ungerechtfertigte Beurteilung meiner Person nicht als Beleidigung zu werten ist. Wir wurden während der ganzen Prozedur behandelt als seien wir auf frischer Tat ertappt worden und es gelte nur, den schnell versteckten Beweis aus unseren Taschen zu kramen.

Und die Moral von der Geschicht... bei mir war das Resultat der ganzen Aktion erst einmal HASS, AGGRESSION, WUT, VERLANGEN NACH EINEM TÖTUNGSDELIKT... so primitiv sich das auch anhören mag, aber ich muss es eben zugeben. Jens konnte froh sein, dass sein Zug nicht fahrplanmäßig eintraf, ich befürchte nämlich, das unsere fleißigen Gesetzeshüter von einem verpassten Zug und Ärger mit der Freundin nur wenig beeindruckt gewesen währen. Außerdem widerspricht es ganz einfach meinem persönlichen Rechtsgefühl, dass es, nur um eventuell ein paar Krümel illegaler Pflanzenteile zu konfiszieren (mehr wird daraus eh nicht, weil solche Anklagen ja in aller Regel fallengelassen werden) inkauf genommen wird, Bürger zu demütigen -ja, so empfinde ich das, wenn ich auf offener Straße abgetastet werde und man mir die Taschen ausräumt-, sie ihrer Zeit und somit auch bedingt ihrer Freiheit zu berauben und in ihre Intimsphäre einzudringen (das Chaos aus benutzten Tempos, Kleingeld und Kaugummipapier in meinen Hosentaschen ist ganz eindeutig meine Privatsache).
Sollte mich einer der anderen Passanten von dem Bahnsteig je wiedererkennen, dann hat er bestimmt schon ein ganz einschlägiges Bild von mir.
Mich ärgert aber vorallem auch, das Polizisten ihre Zeit derart verschwenden. In einem Kaff in dem absolut nichts los ist Passanten zu belästigen, anstatt mal dort für Ordnung zu sorgen, wo es tatsächlich sinnvoll wäre. Mir fielen schon ein paar Orte ein, wo ich mich nicht so gerne aufhalte, weil dort regelmäßig sympatische Kerlchen (meist mit sauber gegelten Frisuren) mit Taschenmessern herumlungern und nur darauf warten ihren Ego mal wieder zu optimieren. Aber ich fürchte fast, dass es unsere Staatsmeliz da als gemütlicher erachtet auf Kifferjagd zu gehen. Klar ist ja auch ein Drogendelikt (= sehr böse, viel Schlimmer als z.B. Gewalt), außerdem sind die auch nicht so aggressiv. Aber mal ernsthaft: Es gab für ein eventuelles Vergehen ja nicht den geringsten Anhaltspunkt, außer das wir nicht ganz so gepflegt aussahen wie sonst. Wenn sich unsere Gesetzeshüterlein auch nur ein ganz kleines Bisschen auskennen würden, dann wüssten die wenigstens, dass die überstylten Jungs meistens genausoviel, wenn nicht noch mehr auf dem Kerbholz haben als die unrasierten. Aber wenn man unserer Polizei auch nur das geringste Bisschen „Kundennähe“ unterstellt, dann begeht man wohl einen großen Fehler, man sollte sich also nur nur noch im Sonntagsoutfit auf die Straße wagen, wenn man keine Verspätung aufgrund von polizeilichen Belästigungen riskieren möchte, oder wenn man sich tatsächlich als Drogenhändler betätigt (aber die wissen das vermutlich schon länger).

Philipp (DRXS) Muller



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