Mal wieder ging ein altbekanntes Thema durch die Medien...
Ausgelöst durch einen erneuten Amoklauf an einer deutschen Schule sahen sich Deutschlands Sendeanstalten veranlasst ihr Programm zugunsten zahlreicher Sondersendungen
zu ändern und auch die Autoren regulärer Politik und Kultursendungen nutzten die Gelegenheit sich ihr mühsam ersponnenes Alltagsprogramm für spätere,
sensationsärmere Zeiten aufzusparen. Da ich das Angebot des Fensehen nur schwach frequentiert nutze, gingen die meisten dieser Ergüsse an mir vorüber. Die
Wenigen, die mich erreichten waren dafür umso haarsträubender. Davon, dass sich in meinen Eindrücken der Stand der öffentlichen Diskussion wiederspielgelt gehe ich aber dennoch aus.
Jedem Ahnungslosen musste sich beim Einschalten des Fernsehers die Vermutung aufdrängen, irgend eine Games Convention hätte das Land in glühendes Zockerfieber
gestürzt. Auf allen Kanälen wurden fleißig Szenen diverser Computerspiele (möglichst blutige) eingespielt - vorzugsweise Counter Strike.
Bei Sabine Christiansen klopfte eine resolute, aus irgendwelchen Gründen halbwegs prominente Emanze auf den Tisch und erklärte den Eltern der Nation, sie sage
einfach zu ihren Kindern "Sowas gibt es nicht. Und fertig ist die Laube". (Ziemlich doofe Redewendung übrigens.) Alle anderen Beiträge besagter Dame
waren ähnlich geistarm. Aufgrund meiner spontanen Antipathi bin ich wohl nicht gänzlich frei von Voruteilen, ich habe mir aber von unabhängiger Stelle
bestätigen lassen, dass das Adjektiv "dämlich" ihre Ergüsse durchaus treffend umschreibt. Zusammenfassend bleibt sachlich übrig, dass sie
ein möglichst schnelles Verbot von "Killerspielen" forderte.
Eigentlich schön, wenn man jemanden so einfach glücklich machen kann. Einfach alle Egoshooter verbieten, und schon fühlt sich die Dame wieder sicher... bis
zum nächsten Mal dann. Wenigstens etwas qualifizierter waren die Beiträge von... (da mir keine anonyme Beschreibung einfällt sag ichs einfach) Ralf
Möller. Er erzählte einiges über Perspektiven die Jugendliche brauchen, wobei er allerdings die Hälfte seiner Redezeit nutzte um seine Aktion
"Starke Typen" (ist das nicht lustig?) zu bewerben. Na meinetwegen.
Erwähnenswert war noch ein SPD Politiker, der wenigstens versuchte besagter Dame zu erklären, ein Verbot sei nutzlos, da es so oder so kein Problem sei, sich
die Spiele übers Internet zu beschaffen. Recht hat er. Nochmehr Recht hatte er damit, dass die Diskussion in die falsche Richtung gehe.
Das tut sie und zwar nicht nur bei Frau Christiansen (die das geplant haben muss, hätte sie sonst doch nicht den deutschen Counter Strike-Meister aus dem Publikum
zaubern können). Einfache Lösungen will das Volk, je einfacher umso besser. Leute die die Ärmel hochkrempeln und auf den Tisch hauen machen Eindruck. Opfer
will der deutsche Spießbürger aber nicht bringen. Außerdem sind die Beschuldigungen gegen Egoshooter so herrlich leicht nachvollziehbar. Alle anderen
Lösungsansätze sind für Monika Mustermann auch viel zu kompliziert. Da müsste man hier und da etwas ändern, an mehreren Fronten kämpfen.
Insgesamt wirkt das eher destruktiv. Man glaubt lieber an die einfachen, bequemen Lösungen. Medien und Politik wissen das, also muss jemand dran glauben, der keine
gesellschaftliche Lobby hat. Mit ähnlichem Rezept wurde in Deutschland vor fast 80 Jahren übrigens ein unglaublicher Haufen Scheiße gekocht.
Wie dem auch sei. Wahrscheinlich gingen 80% der medialen Aufarbeitung der Tragödie dafür drauf, über die verrohenden Folgen von Counter Strike und Co. zu
weinen.
Kaum Kritik an unserer Gesellschaft. Wenig über die Perspektivenlosigkeit vieler Jugendlicher, aber vorallem kein Wort über LEHRER.
Nicht das ich denen alles in die Schuhe schieben will, aber es liegt doch eigentlich recht nahe einmal zu fragen, ob nicht die Opfer solcher Angriffe auch gleichzeitig
in irgendeinem Verhältnis zum Motiv des Täters stehen könnten.
- "Nein, nein. Unverschämtheit. Das liegt an den bösen Killerspielen, da werden unschuldige Anonyme getötet und die Anonymität führt dann zur
Verrohung der Jugendlichen und der Geringschätzung des Lebens. Und die spielen dann einfach die Spiele nach. Die muss man verbieten." - (Ungefährzitat.)
Ganz ehrlich, jemand der auf Anonyme schießen will geht in die Innenstadt. Ein Amoklauf in einer Schule hat etwas mit Rache zu tun. Aber wofür? Könnte man
doch mal fragen. Aber das ist viel zu unangenehm, wenn man in der Suppe rührt könnte was Unschönes hochkommen. Außerdem ist zu berücksichtigen,
dass man dann ja auch den Ruf vieler guter und motivierter Pädagogen mitschädigen würde. Wie dem auch sei, ich erinnere mich noch bestens an meine Schulzeit,
in der ich nicht den geringsten Kontakt zu sogenannten Killerspielen hatte. Bis ich aus dem Gröbsten der Pubertät heraus war hatte ich dafür trotzdem einen
unbändigen Hass auf ein oder zwei meiner Lehrer. Wenn ich so daran zurückdenke glaube ich dass ein Jugendlicher, der sich solchen selbstherrlichen Arschlöchern
ausgeliefert sieht nur um ein paar wenige Grade durchgeknallter sein muss als ich, damit irgendwann die Zerstöhrungswut die Oberhand gewinnt. Kommt dann noch hinzu, dass
es ihm an Perspektiven fehlt und er sich um seine Zukunft keine Gedanken mehr macht... wer weiß. Jedenfalls ist es längst nicht so fernliegend, dass ein Mensch
beschließt einen Anderen zu töten, der ihm mehrere Jahre das Leben schwer gemacht und ihm am Ende noch (wenigsten vermeintlich) die Zukunft verbaut hat, wie man
es uns in den Medien glauben machen will. Es ist wenigstens genau so naheliegend wie etwa ein Mord aus Eifersucht, was ja bekanntlich nicht allzu selten vorkommt. Aber davon
wird fein abgelenkt. Denn bei Lehrern, dieser Säule unserer Kultur will unsere Gesellschaft lieber nicht zu genau hinschauen. Unternimmt man diesen Versuch dennoch,
stößt man auf empörtes Verbitten. Die Jugendlichen von heute sind so schwer zu betreuen, außerdem kann sich die Schule ja nicht um alles kümmern...
die Eltern haben auch Verantwortung und außerdem ist Lehrer sein ja eh so ein unglaublich harter Job, dass allein jede Verdächtigung schon eine Frechheit ist... Mag
sein, dass Lehrer ein knallharter Job ist, und ich zweifle auch nicht daran, dass es wirklich viele gute, motivierte und menschlich erstklassige Lehrer gibt. Die sind ja auch
nicht das Problem, sondern die wenigen Anderen, die pädagogisch schlechten, und möglicherweise noch deprimierten Beamten, die ihren Frust an ihren Schüler
auslassen. Der Typ Lehrer, der sich seine Autorität bei den Schülern, nicht durch Leistung und Charakter erwirbt, sondern sie sich mit Gewalt zu erzwingen sucht.
Wer nicht spurt wird klein gemacht und Antipathien werden sofort in Noten ausgezahlt. Davon gibt es einige. Ich selbst hatte mit solchen Typen zu kämpfen. Das war nicht
nur ein persönliches Problem von mir, es war teilweise so, dass ganze Klassen bangten nicht einem bestimmten Lehrer zugeteilt zu werden und Eltern beschwerten sich
reihenweise... aber man wird diese Typen nicht los, wenn sie sich nicht ein absolutes Faux-pas erlauben. Stattdessen fahren sie ganze Generationen notentechnisch vor die
Wand und züchten Hass und Depressionen. Selbst konstruktive Versuche das Klima zu verbessern werden sofort zurückgeschlagen, sobald negative Eigenschaften des Lehrers
zur Sprache kommen. Das ist keine Erfindung, ich selbst habe genug Erfahrungen dieser Art machen müssen. Solche Probleme lösen sich nicht einfach. Sie sind ein
grundlegendes Problem unseres Schulsystems. Lehrer sind Beamte und diesen Status verteidigen sie zähnefletschend und mit Schaum vor dem Mund. Eine der Rechtfertigungen
ist die Härte des Jobs. Mag auch sein, dass das aus Lehrersicht ein stichhaltiges Argument ist. Aus Schülersicht bringt dass aber das Problem mit sich, dass man
einen schlechten Lehrer nicht los wird, es sei denn er vergewaltigt ein Kind. Ohne einen wirklichen Skandal gibt es aber keine Möglichkeit eine unfähige Lehrkraft
aus dem Dienst zu entfernen.
Das Ganze könnte man noch auf zahlreiche weitere Missstände ausweiten, das möchte ich hier aber nicht, auch halte ich die Beamtung von Lehrern nicht für
das eigentliche Problem, es hatte hier eher Beispielfunktion. Meine Absicht war es auch nicht den Lehrerstand schlecht zu machen. Vielmehr gibt es in diesem wie in jedem
anderen auch einfach ein paar schwarze Schafe. Die werden aber von der gesamten Lehrerschaft verteidigt, die es wohl so empfindet, dass es seit einigen Jahren Mode sei auf
Lehrern herumzuhacken. (Das kann auch stimmen, fraglich ist aber die Ursache dessen, außerdem hat sich ja noch nichts geändert, warum sollten Kritiker also einen
Grund haben ihre Kritik einzustellen?) Ich jedenfalls wundere mich, dass hier so extrem wenig hinterfragt wird. Stattdessen wertet man den Umstand, dass den meisten modernen
Amokläufer ein Hang zu besagten "Killerspielen" nachweisbar ist als Indiz für deren Gefährlichkeit. Dabei könnte es doch vielmehr so sein, das
solche Spiele heutzutage zur normalen täglichen Unterhaltung der betreffenden Altersklasse gehören. Auch das mag man kritisieren, es dürfte aber zur
Entkräftung der genannten Vorwürfe gegen dieses Spielgenre beitragen. Trotzdem wird hier sanktioniert. An den Verhältnissen an unseren Schulen wird sich
nichts ändern, und auch Lehrer brauchen wohl keine Kontrollen ihrer Befähigung (außerhalb fachlicher Hinsicht) zu befürchten. Wir sind damit zufrieden,
falten die Hände gemütlich über dem dicken Bauch. Jetzt sind wir sicherer.
Mittlerweile ist es übrigens soweit, dass tatsächlich verschärfte gesetzliche Maßnahmen gegen solche Spiele durchgesetzt wurden. Malwieder wurde an den
eigentlichen Problempunkten nichts geändert. Dafür muss zugunsten von politischem Aktionismus (es muss ja was getan werden) einmal mehr ein Stück unserer
verfassungsrechtlich garantierten Freiheit dran glauben.
Philipp (DRXS aka Avalon Purity)